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Ob der Hersteller eines bekannten Joghurts heute noch einmal so für sein Produkt werben könnte, ist mehr als fraglich. Denn Fleisch ist zwar reich an Proteinen und bestimmten Vitaminen und Spurenelementen, aber auch an Risiken für die Gesundheit. Der unkritische, unkontrollierte Einsatz von Antibiotika in der Tierzucht weitet sich immer mehr zu einer Bedrohung für uns alle aus – und das gleich auf doppelte Weise.
Jedes Jahr verschwindet in Deutschland die unglaubliche Menge von ca. 900 Tonnen Antibiotika aller Substanzklassen in den Hälsen von Nutztieren, wie Schweinen, Rindern und Geflügel – mit zunehmender Tendenz. Die Gabe erfolgt meist nicht zur Therapie von Krankheiten, sondern offiziell aus prophylaktischen Gründen, um die armen Tiere vor Infektionen durch die Massentierhaltung zu schützen. Und mit der „schönen“ Nebenwirkung, dass dadurch die Gewichtszunahme deutlich schneller und ausgeprägter verläuft. Nach Angaben der Bundesregierung werden Masthähnchen im Durchschnitt über zwei Mal und Schweine sogar fast sechs Mal mit Antibiotika behandelt. 96% aller jüngst in Niedersachsen getesteten Masthühner waren nachweislich mit Antibiotika behandelt worden.
Daraus droht gleich doppelt, dass Antibiotika, wenn diese wirklich gebraucht werden, nicht mehr wirken.
Zum einen gelangen die in der Landwirtschaft verabreichten Antibiotika teilweise in die menschliche Nahrungskette. Zwar sind Rückstände im Fleisch und anderen tierischen Produkten, wie Milch und Eiern, über den gesetzlichen Grenzwerten selten – wenn die Karenzzeit eingehalten wird. Aber auch kleine Mengen können auf Dauer schaden und es gibt noch mehr Wege in den menschlichen Organismus. Durch die Düngung mit belasteter Gülle können sich Antibiotika in Nahrungspflanzen anreichern.
Summiert sich die Aufnahme, kann dies beim Menschen zu Resistenzen führen. Primär nicht krankmachende Bakterien im Körper lernen, den „chemischen Killern“ zu trotzen. Erobern krankmachende Keime den Organismus, geben die bereits resistenten Bakterien „ihr Wissen“ an diese ab. Gängige Antibiotika – die jetzt zuverlässig wirken sollten – versagen ihren Dienst. Dann bleibt bei schweren Infektionen nur zu hoffen, dass ein sogenanntes Reserve-Antibiotikum noch greift.
Der beschriebene Mechanismus ist auch der Grund, weshalb man mit der Einnahme von Antibiotika zurückhaltend sein sollte. Ohnehin sind die allermeisten Erkältungen, wie der Prototyp aller Atemwegsinfekte, die akute Bronchitis, durch Viren hervorgerufen. Gegen diese Erreger können Antibiotika sowieso nichts ausrichten. Ein pflanzliches Antiinfektivum ist in diesen Fällen die bessere Wahl.
Die zweite Konsequenz ist, dass durch den häufigen Griff der Tierproduzenten in die Antibiotika-Tonne sich sogenannte multiresistente Bakterien entwickeln, mit denen sich die Tiere im Stall gegenseitig anstecken. Diese Keime, die Bezeichnungen wie z.B. MRSA (Methicillin-resistente Staphylococcus aureus-Stämme), VISA (Vancomycin-intermediär-sensible Staphylococcus aureus-Stämme), VRE (Vancomycin-resistente Enterokokken), ESBL (Extended-Spectrum ß-Lactamase produzierende Erreger), NDM-1 (New Delhi metallo-β-lactamase 1-Stämme) und Penicillin-resistente Pneumokokken tragen, sind auch später auf dem gekauften Schweine-, Rinder- oder Geflügelfleisch zu finden. Bei einer Studie aus dem Jahre 2009 wurden bei 42% der untersuchten Putenfleisch-Proben verdächtige Erreger nachgewiesen.
Und hier besteht die Gefahr, dass diese durch den Kontakt mit dem Fleisch auf den Menschen übergehen. Z. B. können sie sich auf der Haut und den Schleimhäuten ansiedeln, ohne jedoch eine Infektion auszulösen. Ihre Chance kommt, wenn das Immunsystem aus welchem Grund auch immer überlastet ist, und sich die multiresistenten Keime deshalb unkontrolliert vermehren können. Das ist auch der Fall, wenn sie von vorneherein in den Körper eindringen können. Zum Beispiel über eine Schnittverletzung an den Händen oder über den Magen- und Darmtrakt. Renommierte Infektiologen vermuten, dass es die massive Verwendung von Antibiotika in der Tierzucht ist, weshalb immer mehr Menschen mit einer Infektion durch einen multiresistenten Keim stationär behandelt werden müssen. Man nimmt an, dass allein in der EU jährlich mehr als 25.000 Menschen durch Infektionen sterben, die nicht mehr auf Antibiotika ansprechen.
Um sich zu schützen, empfiehlt sich, Fleisch vor dem Verzehr stets über 70 Grad zu erhitzen, auf die Küchenhygiene zu achten und ggf. beim Umgang mit Fleisch Einmalhandschuhe zu tragen.
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